Anhaltspunkte für eine Hufbeurteilung

Damit wir einen Huf korrekt beurteilen können brauchen wir einen Anhaltspunkt. Für mich ist der Hufgelenksdrehpunkt die beste Referenz für eine Beurteilung. Das Hufbein ist der Knochen, welcher in die Hornkapsel eingebettet ist. Die Hälfte des Hufgelenks befindet sich in der Hornkapsel. Bewegt sich ein Pferd, bleibt der Huf flach auf dem Boden bis er abrollt, der Drehpunkt befindet sich im Hufgelenk.
Beim Barhuf liegen laut einer Studie von John und Monique Craig Californien, 65% des Hufes vor, und 35% hinter dem Hufgelenksdrehpunkt.
Senkrecht unter dem Hufgelenksdrehpunkt auf der Hufmittellinie befindet sich der Balancepunkt. Dieser Referenzpunkt ist sehr hilfreich wenn man den Huf von der Sohlenfläche her betrachtet.

Der Hufgelenkdrehpunkt kann auch ohne Röntgenaufnahme relativ genau ermittelt werden. Wenn wir auf der Höhe des Kronrandes von der Zehenwand zum Ballenende das Mass nehmen, in diesem Beispiel 10cm, nehmen wir davon 30% = 3cm.
Dieses Resultat, nähmlich 3cm, messen wir von der Zehenwand auf der Höhe des Kronrandes zurück. So erhalten wir die relativ genaue Lage des Hufgelenkdrehpunktes.
Hebellängen bei einem neu beschlagenen Huf. Mit einer Zehenrichtung und etwas zurücksetzen des Hufeisens bringen wir den Abrollpunkt 10-20mm zurück. Die Distanz Abrollpunkt-Hufgelenksdrehpunkt wird kleiner (kurzer Hebelarm). Die hintere Aufstützungsfläche wird durch ein möglichst langes Hufeisen vergrössert. Die Distanz Hufgelenksdrehpunkt bis zum Hufeisenende kann so verlängert werden. Dies ergibt wohl gegenüber dem Barhuf eine Überkorrektur, ist jedoch wichtig damit das Pferd nach einer 8 wöchigen Beschlagsperiode eine noch zumutbare Stellung geniesst.
Je länger eine Beschlagsperiode dauert, um so negativer verändern sich die Hebelverhältnisse. Durch das Nachwachsen der Hornwand schiebt sich die Hornkapsel immer weiter vor den Hufgelenksdrehpunkt. Der Hebel Abrollpunkt - Hufgelenksdrehpunkt verlängrt sich und die hintere Aufstützungsfläche verkleinert sich. Wenn bei weichen Bodernverhältnissen geritten wird, kann das sehr negative Auswirkungen auf die Beugesehnen, Fesselträger etc. haben.
Wie oben auf den Zeichnungen sehen wir daselbe an einem Pferd welches 22 Wochen lang nicht beschlagen wurde. Hier der neue Beschlag aber mit dem selben Hufeisen das vorher schon drauf war. An der Hornwand sind keine alten Nagellöcher mehr zu erkennen, dies zeigt wieviel von dem Tragrand abgeschnitten werden konnte.
Mit solch einer langen Zehe muss ein Pferd ja stolpern. Wenn für die Beurteilung dieses Hufes als Referennz der Hufgelenks- drehpunkt herbei gezogen wird, kann auch genau erklärt werden wieso diese Zehe zu lange ist.
Mit dem Balancepunkt als Referenz können auch von der Sohlenseite her die Hebelverhältnisse aufgezeigt werden. Beim neuen Beschlag ausgeglichen.
Bei diesem 22 Wochen alten Beschlag ist deutlich zu sehen wie sich die vordere Stützfläche vergrössert und die hintere verkleinert hat.